Ehrlichkeit und Wahrheit im
      Alltag und in der Therapie

 

 

 

Angst ist eines unserer wichtigsten Gefühle. Wollen Sie erreichen, das Ihre
Ängste Sie nur noch wenig ärgern, dann ist es außerordentlich wichtig, dass Sie
sehr, sehr ehrlich zu sich selbst sind oder es nach und nach werden.
Schon ein kleiner Selbstbetrug an einer wichtigen Stelle kann die Quelle einer großen Angststörung werden. Unser Gehirn verzeiht es nicht, wenn wir uns
selbst dauerhaft etwas vormachen.
Gerne benutze ich die Begriffe, sich selbst belügen und sich selbst betrügen.
Viele empfinden diese Worte als zu hart, jedoch treffen sie nach meinen
jahrzehnte langen Erfahrungen genau den Kern.

 

Für die Entwicklung unserer Denkvorgänge benutze ich gern das Modell
eines älteren Baumes.

 

 

           Denken junger Mensch                                          Denken älterer Mensch

 

 

Nach unserer Geburt besitzen wir einen Grundstock an Gefühlen und Wünschen.
Wir möchten es warm haben, wollen die Nähe der Mutter fühlen, haben Durst und
Hunger und einiges mehr.
Mit unseren Sinnen beginnen wir nun unsere Umgebung, die Menschen die uns
begegnen und ihr Verhalten und ihre Sprache zu erfassen und zu bewerten. Zwei
Kinder werden zu teilweise sehr unterschiedlichen Bewertungen kommen, obwohl
sie genau das gleiche hören, sehen und durch Körperkontakt fühlen.

Dies gibt jedem Menschen einen ganz persönlichen Eindruck über das, was er
gesehen und aufgenommen hat. Wenn jemand also von seinen Eindrücken erzählt
oder diese beschreibt, erzählt er die Wahrheit.
Es ist aber nur seine eigene Wahrheit.
Sie ist leider durch eigene Gefühle stark verfälscht.

Dies bedeutet, was jemand gesehen und erlebt hat, ist das, was tatsächlich
abgelaufen ist, ergänzt und verfälscht durch eigene Gefühle.
Dies zu wissen, ist sehr, sehr wichtig. Ein Mensch der nicht zufrieden ist mit seinem Leben und der sich nicht wohl fühlt in seiner Lebensrolle, kann, wenn er das möchte,  vieles verbessern. Er überprüft zunächst einmal seine Sichtweise. Bei fairer Betrachtung erkennt man meistens. Man kann Dinge auch aus einer völlig anderen Richtung betrachten. 
Es ist ganz erstaunlich, wie sich dann manches völlig anders darstellt.
Menschen die man immer als Freunde angesehen hat, scheinen auf einmal nicht wirklich Freunde zu sein. Die Art und das Verhalten eines Menschen, welches man bisher immer
als abstoßend und aggressiv beurteilt hatte, kann sich bei näherer
Betrachtung als gar nicht abstoßend sondern eher als nachvollziehbar, ehrlich und
hilfreich herausstellen.

Zumindest am Anfang ist eine andere Blickrichtung oft schwer zu finden. Sie dann
auch noch als richtig oder sogar besser, als die bisherige Sichtweise anzunehmen,
fällt dann noch schwerer.

Man stelle sich vor, dass man einen Tisch jetzt Fenster nennen soll.
Ist das nicht blöd?  Da sträubt sich doch alles in uns, oder nicht?

Wollen Sie sich jedoch auch standhaft weigern einigen Dingen und vor allem einigen Verhaltensweisen eine andere Bewertung zu geben, wenn sie dadurch danach
zufriedener sind?

Immer dann, wenn jemand mit einer bestimmten Situation oder einer eigenen Reaktion
nicht zurechtkommt, kann er in seinen Gedanken zurückverfolgen,
warum er an bestimmten Stellen genau so und nicht anders denkt.

 

Wenn Sie den Weg von einem kleinen äußeren Ast in Richtung Baumstamm zurückverfolgen, wird Ihnen bestimmt schnell etwas klar. Ihr Leben hätte einen ganz anderen
Weg genommen, wenn Sie an einer Abzweigung rechts, anstatt links abgegangen wären.

Diese Erkenntnis hat sehr heftige Auswirkungen. Schließlich ist es ein Grund
der zeigt, wie veränderbar unsere Gedankenwelt ist.
Wir müssen nur immer neue Wege gehen, wenn wir unzufrieden sind.

Das bedeutet, Menschen haben mitunter die gleichen Ausgangsbedingungen. Schon nach wenigen Monaten aber, sind wir das Produkt unserer Umweltbedingungen.
Am meisten, vor allem beeinflusst, von unseren eigenen Entscheidungen
und Reaktionen.

Mit sehr, sehr viel Ehrlichkeit kann jeder eigene Fehler finden, dadurch psychisch stabiler werden und sein Glück durch hilfreichere Gedanken und Entscheidungen aufbauen.

 

Daraus folgt etwas ganz Entscheidendes!

 

Wir sagen fast immer, ein Mensch kann nichts dafür, was er denkt und wie er sich
verhält. Er ist das unveränderliche Produkt seiner Erziehung und seiner Umwelt. Dies
sehe ich weitreichend anders. Meiner Meinung nach ist dies nur zu einem sehr geringen
Teil richtig.


Der Mensch ist das, was er denkt und vor allem wie er kommuniziert und entscheidet.

Damit das zu seinem Glück und Wohl funktioniert, ist ständiges Informieren und Lernen
eine der wichtigsten Voraussetzungen im Leben.
Wie man überall sehen kann, haben Menschen viel zu oft ihr eigenes Denken
und ihre eigene Meinung komplett eingestellt. Dies ist natürlich wirtschaftlich und gesellschaftlich weitgehend gewünscht und erzeugt. Daraus folgt dann jedoch
häufig eine sogenannte psychische Störung.

Mit einer veränderten Kommunikationsweise  kann man sehr
schnell überraschende Verbesserungen des Wohlbefindens erlangen.

 

 

Psychotherapie

 

In Therapiegesprächen ist es erforderlich, mit Therapeuten möglichst ehrlich
zu reden. Alles andere ergibt wenig Sinn.
Durch Fragen des Therapeuten können Menschen herausfinden, wie ihre
Entscheidungen an bestimmten Abzweigungen waren und warum eine
Entscheidung an dieser Stelle genau so getroffen wurde.

 

Therapiegespräche machen vielen Menschen zumindest zu Beginn zusätzliche
Angst. Viele haben die Befürchtung sich vor einem fremden Menschen
regelrecht nackt darzustellen. Diese Angst finde ich weitgehend unbegründet.
Ein Therapeut kann Gedanken eines Klienten nicht erraten und wird auch nie
anschließend das Vertrauen missbrauchen.

 

 

 

 

Sehen Sie ihren Therapeuten in etwa,  wie einen
„Spiegel“ an. Ein Therapeut sagt Ihnen, was er
glaubt an ihrem Verhalten zu erkennen.

 

Anstatt nun zu sagen: "Hey, das ist ja toll. Das hätte
ich auch anders, vermutlich besser machen können,
Ich ändere das", brechen einige förmlich zusammen.
Sie glauben eigene Fehler zu erkennen und wollen
diese ungern zugeben.

 


Einige fangen an zu weinen, beginnen gedanklich zu blockieren oder laufen davon,
brechen sogar Therapien ab. Das Erkennen, dass man vor Jahren entscheidende
Fehler gemacht zu haben scheint, schmerzt viele außerordentlich stark.

 

Mit mehr Ehrlichkeit und mit der Bereitschaft, eigene Fehler zuzugeben, kann man
jedoch schnelle, dauerhafte Erfolge in Therapien erreichen.

 

Dazu braucht es aber unbedingt auch eine völlig andere Sichtweise, was ein Therapeut eigentlich ist. Hier sind meiner Meinung nach auch besonders die Psychologen und Therapeuten gefragt, die den Niveauunterschied zwischen
Patient und Therapeut vermutlich oft künstlich zu hoch halten.

 

Die Veränderung des Denkens erfolgt dadurch, dass ein Mensch durch neue
Erkenntnisse und Sichtweisen die Motivation verspürt zuerst zaghaft und dann
immer schneller und immer mutiger neue Äste wachsen zu lassen.
Diese Äste treiben in die Richtung, aus der man Anerkennung, Liebe,
Toleranz und Zuspruch bekommt.

 

Alte Äste, die man nicht mehr benötigt, lässt man eventuell vertrocknen oder
wirft sie ab.

 

Einige Monate oder Jahre später erkennen Freunde und Bekannte diese
positive Veränderung und werden Sie loben, Ihnen danken, Anerkennung aussprechen
und häufiger Ihre Nähe suchen.

 

 

 

Und Sie fühlen sich freier, zufriedener und endlich glücklich.

 

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